Das „Refugium“, ein Garten der Linderung
Ein Garten mit lindernder Wirkung bei psychischen und mentalen Traumata, Schädelhirntrauma,
Epilepsie und Depression.
Viele Menschen suchen ihren Garten auf, um sich zu entspannen und zu erholen,
und dies geschieht seit vielen Jahrhunderten auf der ganzen Welt. Zudem ist
bekannt, dass viele Pflanzen therapeutische Eigenschaften haben, bei vielen
unterschiedlichen Krankheiten.
Doch nur selten werden Gärten speziell und wissenschaftlich fundiert für
die Behandlung von Krankheit und Trauma entworfen. Der hier vorgestellte Garten
wurde für den natürlichen Heilungs- und Erholungsprozess schädelverletzter
Patienten entworfen, kann aber auch bei anderen Krankheiten als heilsames Umfeld
dienen. Er ist ruhiger Hafen zur Erholung, Ruhe und Erneuerung.
Derzeit entsteht er als Teil der Außenanlagen eines im Neubau befindlichen
Rehabilitationszentrums in Orbetello, Italien. In abgewandelter Form könnte
er auch in Krankenhäusern als integrierter Bestandteil der Genesungsförderung
gebaut werden. Das Gestaltungskonzept beruht auf einer intensiven Erforschung
der menschlichen Gehirnfunktion, die sich nicht nur auf rein physische Aspekte
bezieht.
Es ist allgemein bekannt, dass das Gehirn mit sehr kleinen, wenn auch manchmal
sehr starken, elektromagnetischen Mikrosignalen arbeitet, die verschiedene Neuronen,
"Schaltkreise" und "Verdrahtungen" passieren, die jeder
Mensch individuell aufbaut. Dies geschieht durch die Erfahrungen, die er macht,
und durch die Entscheidungen, die er trifft. Daraus entstehen dann die Denkmuster,
die das menschliche Verhalten beherrschen.
Diese Schaltkreise innerhalb der Abermillionen miteinander verbundenen Nervenzellen
sind die Empfänger und Filter, durch die wir etwas erkennen oder z.B. gewissen
Ideen, Vorstellungen und Eindrücken Aufmerksamkeit schenken. Wird das Gehirn
geschädigt, sei es durch physische Verletzung oder durch psychosomatisches,
psychisches, mentales Trauma oder Depression, denn diese bedeuten eine Verletzung
für das Gehirn, dann kann es nicht mehr die gleiche Menge Stimuli verarbeiten
wie im Normalzustand.
Das
Gehirn besitzt nicht nur die Fähigkeit, die Vorgänge im menschlichen
Körper zu regulieren, sondern auch sich selbst, seine zahllosen internen
Arbeitsprozesse. Nehmen wir einmal an, ein Gehirn arbeitet normalerweise mit
achtzigprozentiger Auslastung. Plötzlich kommt es zu einem Trauma oder
eine Depression stellt sich ein, oder es wird überflutet von Sorgen oder
Schmerz über eine Trennnung. Dann kann das Gehirn "zumachen"
und nur noch mit der Hälfte seiner früheren Kapazität arbeiten,
in unserem Beispiel mit 40%. Die anderen 40% der Energie müssen neutralisiert
werden, da sie nicht mehr verarbeitet werden können, weil Leistungsfähigkeit
und Ausdauer verglichen mit dem Zustand vor der Schädigung gemindert sind.
Das Gehirn, das Mikrosignale durch seine eigenen Schaltkreise von einem Teil
zum anderen leitet, zerstreut dann diese Signale, so dass sie nicht länger
in Schaltkreisen wandern. In Fällen von Schock und Trauma wird so das Problem
verschärft, denn jegliche weitere elektromagnetische Aktivität, zu
der das Gehirn durch innere und äußere Stimulation angeregt wird,
kann nicht mehr gespeichert und eingeordnet werden. Es kommt zu Blockaden.
Ein
Signal, das nicht gespeichert werden kann, ist nutzlos und beginnt, toxisch
zu wirken, ähnlich wie Unverdautes im Verdauungsprozeß. Es entstehen
Toxine, wenn Nahrung wegen Verstopfung nicht weitertransportiert werden kann.
Analog entstehen Toxine im Gehirn. Dieser toxische Faktor ist ein Hauptproblem
für Patienten, die sich von Hirnoperationen oder –verletzungen oder
Depressionen erholen.
Nun versucht das Gehirn, diesen toxischen Faktor auszustoßen, und zwar
buchstäblich vom Kopf Richtung Fuß, entlang den Meridianen des polaren
menschlichen Energiesystems, welches in Nord-Süd-Richtung verläuft.
Das heißt, diese Energietoxine können durch die Füße,
die Hauptauslasspunkte des Körpers für Entladung elektromagnetischer
Energie, ausgeschieden und geklärt werden.
Der "Refugium"-Garten soll ein Ort der Ruhe und Entspannung sein,
wo diese Toxine beseitigt werden, und je mehr Toxine beseitigt werden können,
desto schneller kann sich das Gehirn reparieren, wiederaufbauen und heilen.
Es ist besonders alarmierend, dass viele Hirnverletzte als direkte Verletzungsfolge
auch an epileptischen Anfällen leiden. Diese könnten durch unzureichende
Entgiftung aufgestauter, unverarbeiteter Stimulation verursacht sein, der sich
der Körper mit in manchen Fällen gewaltsamen Anfällen oder Zuckungen
entledigt. In diesem Zusammenhang überrascht die Erkenntnis von Epileptikern
nicht, dass zu viel Stimulation, wie starke Blinklichter, einen Anfall auslösen
kann, manche berichten auch von einem Überflutungsgefühl vor dem Anfall.
Weiterhin
ist bedeutsam, daß die Person regrediert, wenn ihr Gehirn bei reduzierter
Kapazität von beispielsweise 40% arbeitet, d.h. sie fällt in den Kindheitszustand
zurück, in dem das Gehirn während seiner Entwicklung zuletzt mit dieser
Kapazität, 40%, gearbeitet hat. Farbe fasziniert und begeistert Kinder,
denn Farbe spielt eine sehr bedeutsame und natürliche Rolle in der Prägephase
des Gehirns. Daher kann das geschädigte Hirn seine Reparatur und seinen
Wiederaufbau durch erneutes Erlernen des angemessenen Gebrauchs von Farben beginnen.
Das Gehirn wird sich der Farben bewusst sein, mit denen es sich wieder beschäftigen
muss, und wird ebenfalls wissen, welche seiner Farbschaltkreise beschädigt
wurden.
Farbe im Genesungsprozess ist rundum wichtig, und der gesamte Garten der Linderung
hat eine spezifische Farbanordnung, damit die Patienten inmitten der umgebenden
Wände unter den selbstgewählten Farben sitzen können. Die therapeutischen
und beruhigenden Einflüsse einzelner Farben und Farbgruppierungen auf das
Gehirn sind bekannt.
Ebenso ist es sehr wichtig, dass im Genesungsprozeß das Gehirn beginnt
das Nervensystem zu stimulieren und nicht umgekehrt das Nervensystem das Gehirn.
Darum ist der gesamte Garten so gestaltet, dass er beruhigend aufs Nervensystem
wirkt und so den Heilungsprozeß zusätzlich fördert.
Das Gehirn hat für eine gewisse Zeit eine außergewöhnliche
und erstaunliche Selbstheilungskraft, jedoch, außer in extremen Ausnahmefällen,
kann der Prozess sehr langsam sein oder überhaupt nicht stattfinden, wenn
die Patienten sich nicht in einer Umgebung wiederfinden, die dem natürlichen
Genesungsvorgang förderlich ist.
Deshalb wurde der Garten der Linderung entworfen, um ein natürliches Umfeld
zu schaffen, in dem das Gehirn sich erholen und wieder einrichten kann. Im ersten
Garten dieser Art in Orbetello wurde diese Vision Realität.
Trevor Muir eröffnete 1991 ein Architekturbüro in Nottingham.
Er erhielt verschiedene Auszeichnungen und seine Interessenschwerpunkte sind
Sakralbauten und die Gestaltung heilsamer Umgebungen
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