TOPAZ 3. Ausgabe 2002
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Interview mit dem Komponisten Volkmar Studtrucker
Musik mit neuen Akzenten

Volkmar Studtrucker, Foto: Susanne Ullerich„Der Komponist Volkmar Studtrucker, 1960 in Erlangen geboren, überrascht ... durch eine konsequente Abkehr von allem, was seit Jahrzehnten als modern klingt. Er bricht radikal mit der ‚Tradition’ der ars nova, sucht seinen eigenen Weg in einer neu entdeckten Tonalität, in Harmonie und Wohlklang.
In der Gegenwart haben sich mehrere Komponisten von der bisherigen Avantgarde abgewandt, um die Musik mit den alten Werten neu zu beleben, aber selten geschah dies so bekenntnishaft wie bei Volkmar Studtrucker.“
Fritz Schleicher, Nürnberger Nachrichten, 5.5.2000

TOPAZ: Wie können Sie es nach dem 20. Jahrhundert, dem Jahrhundert der atonalen Musik und avantgardistischer Ideen, vertreten, wieder tonale, harmonische Musik zu schreiben? Ist das nicht passee?

Ich wurde in diese Richtung schon angesprochen, ob dies denn zeitgemäß wäre. Besonders die vorausgehende Generation der Komponisten und Musiker der E-Musik scheint Schwierigkeiten zu haben, harmonische Musik „zu ertragen“. Ich persönlich denke da anders, in größeren zeitlichen Dimensionen: Seit der industriellen Revolution verlieren die Menschen immer mehr ihre Wurzeln und ihr Empfinden, Teil der Schöpfung zu sein.
Sie erkennen sich mehr und mehr als Individuen, die in einer modernen Gesellschaft bestehen müssen in Form von Karriere, Geld, Macht, Ansehen, eben das leidige Spiel. Der Beginn der atonalen Musik war sicherlich ein respektabler Versuch, aus Strukturen auszubrechen, die als alt und vergangen empfunden wurden, doch dann wurde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet: Von den gewachsenen Werten tonaler Musik wollte man nur weniges erhalten wissen. In der Folge wurde ein intellektuelles Gebäude errichtet, das sogar Unsinniges sinnvoll erscheinen lässt. Interessant, dass ähnliche Prozesse in der Malerei und in anderen menschlichen Ausdrucksfeldern stattgefunden haben. Das alles beschleunigt die Entfremdung des Menschen von sich selbst. Deswegen starte ich einen neuen Versuch aus unserem tonalen Erbe heraus.
Nicht um intellektuelle Ansprüche zu befriedigen, sondern um „Brücken aus Tönen“ zu bauen, über die Menschen leichter Kontakt mit sich selbst finden können. In einem früheren Projekt der Übersetzung von Farben in Klänge hat sich mir klar gezeigt, dass es sich hier nicht um bloße Fantasie, sondern um sehr reale Zusammenhänge handelt.

TOPAZ: Was bedeutet für Sie Musik?

Musik kann eine Brücke bauen zu natürlichen Balancen, die wir heutzutage oft vernachlässigen. Musik ist als Energieträger in der Lage unser Gehirn zu beeinflussen und einzustimmen. Das sind Dinge, die früher durchaus gang und gäbe waren, man hat sich mit Gesängen eingestimmt auf gewisse Ereignisse, seien es Feste wie Weihnachten oder wenn eine Mutter ihr Kind in den Schlaf singt. Das ist doch durch nichts zu ersetzen.

 TOPAZ: Kommt in den „Gesängen für den Pilger” und in der „Morgensinfonie“, Ihrem ersten großen Werk, nicht noch mehr zum Ausdruck?

Es ist in mir eine tiefe Leidenschaft und Begeisterung, in eine Welt vorzudringen und auch eine Welt zu übersetzen, die von einer sehr ausgewogenen Harmonie getragen wird, die einen Bezug hat zur Natur, zur Schöpfung. Darin liegt die eigentliche Wurzel der Kraft.

TOPAZ: Wann haben Sie angefangen zu komponieren?

Die kompositorische Arbeit habe ich etwa 1990 begonnen, vorher war ich eher im Jazz zu Hause.
Anfang der neunziger Jahre habe ich mit Freunden an einem musikalischen Projekt über Farbfrequenzen gearbeitet. Wir haben ganz einfach versucht, Farben in Musik und Klang zu übersetzen. Dies hat einen neuen Trend in meiner Arbeit ausgelöst.

TOPAZ: Der bayerische Innenminister Dr. Beckstein zeigte sich angetan bei der Uraufführung der Morgensinfonie. Sind weitere Aufführungen dieses Werks geplant?

Dieses Jahr in Österrreich in Wolfsberg und in Feldkirchen wird es wieder soweit sein, am 8. und 9. Juni 2002. Dort werde ich dann auch selbst dirigieren.

TOPAZ: Wie sieht es mit neuen Projekten aus? Haben Sie neue Ideen?

Ja, seit fast zwei Jahren arbeite ich an einer neuen Sinfonie für Orchester und Chor in fünf europäischen Sprachen. Ich bin dabei diese fertig zu stellen.

MorgensinfonieTOPAZ: Haben Sie besondere Wünsche, was die Erstaufführung dieses Werkes angeht?

Zuerst einmal müsssen wir noch einen Sponsor finden; ein Sponsor hat mir damals auch die Fertigstellung der Morgensinfonie ermöglicht. Am liebsten würde ich die „Europäische Sinfonie“ erstmalig hier in Nürnberg in der Burg uraufführen. Diese Idee will mir nicht aus dem Kopf. Und wir brauchen ein großes Orchester und einen Chor, der in der Lage ist, in fünf Sprachen zu singen

TOPAZ: Sicherlich kein einfaches Unterfangen, wir wünschen Ihnen viel Glück!

CD-Bestellung über: www.volkmar-studtrucker.de

V. Studtrucker studierte klassische Musik am Meistersinger-Konservatorium in Nürnberg. Er wirkte bei verschiedenen Platten- und Rundfunkaufnahmen mit und unterrichtet an der Musikschule in Herzogenaurach.

Interview von G. Oberrauter und C. Schenk

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