Den olympischen Geist weitertragen
Die olympische Waffenruhe bringt Frieden in alle Länder
In den griechischen Stadtstaaten der Antike galt während
der olympischen Spiele Waffenruhe als heiliges Prinzip, das von allen respektiert
wurde. Viele hundert Jahre später, im 21. Jahrhundert, hat das Internationale
Olympische Komitee erklärt, dass die antike Idee der olympischen Waffenruhe,
eines der wesentlichen Prinzipien des olympischen Geistes, mit dem Ziel wiederbelebt
werden soll, den Frieden in der Weltbevölkerung zu fördern und die
Menschenwürde zu bewahren. Nächstes Jahr, 2004, finden die Olympischen
Spiele in Griechenland statt, an der Stätte ihres Ursprungs.
Theodora Papanastassatou, Lehrerin für Griechisch und Geschichte am Gymnasium
Louthraki (ca. 80 km von Athen entfernt), nahm diese Gelegenheit zum Anlass,
ein Projekt für Schulkinder ins Leben zu rufen, das auf den fünf Farben
der Olympischen Ringe basiert und die olympischen Prinzipien fördern und
den Dialog und die Freundschaft zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen
anregen soll. Topaz interviewte Theodora, um mehr über das Projekt zu erfahren.
Topaz:
Wie kamst Du auf die Idee für dieses Projekt?
Theodora: Wenn man sich an die einfachen Dinge hält,
können manchmal die großartigsten Sachen passieren. Ich versuche,
eine Lehrerin zu sein, die der nächsten Generation die Gelegenheit bietet,
über das Alltägliche hinauszuwachsen, damit sie die wahren Werte menschlichen
Lebens finden kann. Ich bin davon überzeugt, dass man jungen Leuten einige
wenige Wahrheiten und Werte präsentieren muss, mit denen sie dann arbeiten
und wundervolle Dinge schaffen können. Für dieses Projekt habe ich
Eigenschaften, die mit den olympischen Farben assoziiert werden können,
mit wesentlichen menschlichen Werten kombiniert. Farben sind sehr anziehend
für uns Menschen und haben eine einigende Wirkung, denn ein Grieche sieht
das gleiche Blau wie ein Chinese, und menschliche Werte sind das Bindeglied
der Menschheit durch die Geschichte hinweg. Die Farben und Werte kommen in den
fünf Ringen der Olympischen Flagge zusammen. Als ich meinen Kollegen und
Schülern die Idee zu diesem Projekt vorstellte, waren sie sofort begeistert
und wir arbeiteten einen Projektvorschlag über Erziehung im Olympischen
Geiste aus, reichten ihn beim Erziehungsministerium ein und das Projekt wurde
im Dezember letzten Jahres bewilligt. Die Werte, die wir mit den Farben verbinden,
sind: das Prinzip der WAFFENRUHE, weltweiter FRIEDE, FAIR PLAY, FREUNDSCHAFT
zwischen Menschen und der Aufruf zum MITMACHEN.
Topaz: Warum wird das Projekt vom Erziehungsministerium unterstützt?
Theodora: Das Erziehungsministerium sponsort Projekte, die
mit der Förderung der olympischen Ideale zu tun haben, und lud Schulen
ein teilzunehmen. Wir wählten die Bereiche der Waffenruhe und des Friedens,
weil wir denken, dass unsere Welt diese Werte mehr und mehr braucht. Unsere
Jugendlichen haben zu diesem Thema eine Menge zu sagen, denn die Welt von Morgen
wird ihnen gehören, und sie verdienen eine bessere Umwelt. Zwei Grundschulen
und zwei weiterführende Schulen aus unserer Umgebung nehmen an dem Projekt
teil, insgesamt 600 Kinder, wovon 200 Schüler jede Woche an dem Projekt
arbeiten. Wir sind bisher überrascht von der Qualität ihrer Beiträge,
der Gedichte, der Zeichnungen und der Aufsätze und ihren tiefen Gefühle
gegenüber diesen Themen. Eine 14-jährige Schülerin, Joanna, schrieb
zum Beispiel: „Friede ist eine Flamme, die in jedem Menschen brennt, und
wir müssen für sie einstehen, um sie am Leben zu erhalten”.
Topaz: Welche Aktivitäten werden im Rahmen des Projekts
durchgeführt?
Theodora: Eine ganze Reihe verschiedener Dinge. Wir befassen
uns mit anderen Kulturen; zum Beispiel malt eine Klasse die Flaggen anderer
Nationen. Eine andere Klasse erforscht künstlerische Aktivitäten im
Zusammenhang mit den modernen Olympischen Spielen. Und wieder eine andere stellt
Bilder aus der Antike zusammen, die antike Sportarten zeigen. Wir haben ein
Laufwettbewerb für alle Schüler der Region im Geiste des FAIR PLAY
organisiert; mehr als 200 Schüler nahmen daran teil, und es gab über
100 Zuschauer. Kurz vor der Ziellinie reichten sich drei Mädchen die Hand
und liefen händehaltend durch das Ziel. Sie hatten sich entschlossen, gemeinsam
die Ziellinie zu überqueren, weil sie die Freude an der Teilnahme über
den Wunsch, Erster oder Zweiter zu sein, stellen wollten. Wir haben T-Shirts
mit den Olympischen Farben und den jeweils damit verbundenen Werten bedruckt.
Zusammen mit 400 Schülern haben wir die nahegelegenen Ruinen des Tempels
von Heraio besichtigt, der aus dem 8. Jahrhundert vor Christus stammt, sowie
Olympia selbst, wo es viel zu entdecken und zu photographieren gab. Wir werden
bald eine Ausstellung gestalten, die die Ergebnisse der Aktivitäten zeigt.
Die jüngeren Kinder werden Tänze zu den fünf Farben aufführen,
und die Chöre aller Schulen werden Lieder singen. Hierzu ist selbstverständlich
die ganze Bevölkerung eingeladen.
Topaz: Können ausländische Schulen an diesem Projekt
teilnehmen oder mit euch in Kontakt treten?
Theodora: Wir sind dankbar für jeden Austausch mit anderen
Schulen und Vereinen. Wir haben bereits einige Kontakte geknüpft, denn
wir würden gerne ein Netzwerk von Schülern bilden, die sich grenzübergreifend
über die olympischen Werte austauschen, und vielleicht entstehen daraus
auch bleibende Freundschaften und Besuche. Einen Freund in Deutschland, Australien
oder sonst wo auf der Welt zu haben heißt, dass man mehr über die
verschiedenen Kulturen herausfinden und Respekt und Verständnis aufbauen
kann. Somit kann der Wert des Dialogs und die Botschaft des FRIEDENS gefördert
werden. Wir senden interessierten Schulen aus dem Ausland gerne Infomaterial
und Bilder unserer Aktivitäten und sind selbstverständlich an ihren
Aktivitäten interessiert.
Mehr Infos im Internet unter gym-perach.kor.sch.gr.
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