Porträt einer Heilerin
„Für sich selbst und andere zur Medizin werden“
Robyn
Leverett (53), Neuseeländerin, ist ausgebildete Krankenschwester mit langjähriger
Berufserfahrung in verschiedenen Fachrichtungen. Vor acht Jahren traf sie die
Entscheidung, ihr Leben ganz der Erforschung und Entwicklung der alternativen
Heilkunst zu widmen. Sie zog nach Israel, wo sie seitdem lebt und arbeitet,
und war maßgeblich an dem Aufbau eines Heilgartens in Ma’ale Tzvia,
einem Dorf in Galiläa, beteiligt und arbeitete mit an der Struktur einer
Schule für natürliches Heilen.
Auch formierten sich in diesen Jahren die Well Being Sciences, eine Organisation
mit gegenwärtig 200 Mitgliedern unterschiedlicher Fachgebiete in 15 Ländern,
welche den naturgegebenen Prozess der Heilung und die menschliche Fähigkeit,
aktiv Heilungsprozesse zu unterstützen und zu fördern, erforscht
und auf Grundlagen stellen möchte, die in Harmonie mit dem Menschen und
seinen höheren Potentialen stehen.
Robyn Leverett leitet internationale Seminare über neue Ansätze in
der Heilkunst und führt Beratungen durch.
In dem folgenden Interview, geführt von der Holländerin Josina Keuskamp
- van Schaik, wollte TOPAZ mehr über die Arbeit der letzten 8 Jahre und
über das Heilen und das Wesen der Heilkunst erfahren.
Robyn, was verstehst du unter Heilung? Wie funktioniert Heilen und wie hängen
Heilen und Wohlbefinden zusammen?
Heilung ist ein ganz natürlicher Reparatur- und Wiederherstellungsmechanismus:
Wir schneiden uns in den Finger, und der Finger heilt wie von selbst, ohne unser
Dazutun, ohne dass wir uns darauf konzentrieren müssen. Im Gegenteil, wir
verlassen uns darauf, dass der Finger mit der Zeit wieder heilt, wir vertrauen
darauf, genauso wie wir darauf vertrauen, im nächsten Moment zu atmen,
zu sehen, zu fühlen. Kein Mensch lebt in der Erwartung, dass diese Gaben
auf einmal aufhören, nicht mehr da sind.
Stell Dir vor, dass all die Schnitte, Verletzungen, Knochenbrüche, die
sich ein Mensch im Laufe seines Lebens zuzieht, nicht heilen würden, und
Du bekommst ein Gefühl für das, was wirklich geschieht, und meistens
ohne unsere Eingreifen. Ein gebrochener Knochen wird eingegipst und korrekt
geschient, aber er heilt sich von selbst. Was für eine Wunder ist hier
eigentlich am Werk? Die Natur hält schier unglaubliche Selbstheilungsmechanismen
bereit, schier unglaubliche regenerative und erneuernde Kräfte.
Die Aufgabe eines Heilers ist, die regenerativen Kräfte in einer Person wieder
anzuregen, damit sie, einmal in Gang gebracht, ihr Wunderwerk vollbringen können:
das Werk der Reparatur, des Wiederherstellens, der Regeneration, der Linderung.
So können Dinge wieder ins Gleichgewicht, ins Lot gebracht werden, wenn
diese Kräfte im Heilungsprozess aktiviert werden. Die Heilkraft an sich
kann man also ansehen als ein Konglomerat essentieller Kräfte, die sich
um die Regeneration, die Gesundung, auch das Intaktsein und alle wesentlichen
lebenserhaltenden Eigenschaften kümmern.
Wohlbefinden
(well-being) ist der Zustand vor oder nach der Heilung, und Wohlbefinden
wird oft als ein „Sich gut fühlen” interpretiert, „Mir
geht’s gut, nichts ist verkehrt, im Augenblick nichts Beunruhigendes”.
Das höchste Wohlbefinden liegt natürlich darin, dass ein Mensch harmonisch
und im Einklang mit sich selbst lebt, seine Ziele nicht aus den Augen verliert
und viel von dem macht, was er liebt.
Es gibt eine alte Maxime: „Love wherever you are, love whatever you do,
and love whomever you are with.” (Liebe, wo immer du auch bist, liebe,
was immer du auch tust, und liebe die, mit denen du zusammen bist). Darüber
gäbe es natürlich viel zu erzählen, aber ich glaube, dass die
Lebenseinstellung, die aus dieser Maxime spricht, enorm viel Wohlbefinden erzeugt.
Könntest Du uns etwas mehr über Deine Methode des Heilens erzählen?
Seit ca. zwei Jahren erforsche ich gemeinsam mit den Well Being Sciences ein
Farb-Analyse-System, mit dem sehr zuverlässig chronische Beschwerden des
Körpers ermittelt werden können. Der menschliche Körper verarbeitet
Energien, die den Körper versorgen, ähnlich wie Kraftstoff ein Auto
versorgt und antreibt, und jedes Körperteil, jedes Organ, alle Systeme
im Körper sind in diesen Energiehaushalt eingebunden.
Kommt es beim Menschen zum Ungleichgewicht, zur Krankheit oder vielleicht
zur Erschöpfung, kann davon ausgegangen werden, dass ein oder mehrere
Teile des Systems ihren Beitrag zum Energiehaushalt nicht mehr leisten können.
Darum gilt es zu ermitteln, welcher Teil im Körper nicht mehr so richtig
mitmacht und sich vielleicht im Erschöpfungszustand befindet. Wie haben
einen Test entwickelt, den wir Pentagramm-Farbtest nennen: Die fünf Farben
weiß, rot, blau, gelb und grün, die mit den menschlichen Energiezentren
in Beziehung stehen, leiten uns bei diesem Test, der uns eine Schwäche
sehr leicht ermittelt lässt. Das ist ein hoch interessanter Prozess herauszufinden,
welches Energiezentrum nicht mehr so richtig will.
Mit dem Farbtest, bei dem wir kinesiologische Prinzipien einsetzen, haben
wir gelernt, Schwächen und Ungleichgewichte oft bis hin zum eigentlich
verursachenden Organ zu ermitteln. Wenn Verdauungsprobleme im Magen oder Darm
vorliegen, könnte das bedeuten, dass man für eine gewisse Zeit bestimmte
Nahrungsmittel vom Speiseplan streicht. Oder Rückenschmerzen - Rückenschmerzen
können so viele Ursachen haben: psychische und emotionale Probleme, eine
Entzündung, Nährstoffmangel, Verletzung, schlechte Haltung, Stress,
Essgewohnheiten, Druck auf die Nieren, zu wenig Feuchtigkeit oder angeborenen
Schwäche, und demnach muss auch die Heilungsstrategie bei jedem Menschen
eine andere sein. Deshalb ist die Ursachenforschung so wichtig.
Manche
Beschwerden können mit einer einmaligen Behandlung geheilt werden, manche
brauchen eine Reihe Sitzungen.
Manchmal ist eine Beratung notwendig, zu anderen Zeiten ein offenes Ohr, vielleicht
auch Zuwendung und Fürsorge, ein Arm um die Schulter, um menschliche Wärme
fühlen zu lassen, ein Lächeln, ein freundliches Wort... Heilen hat
viele, viele Gesichter.
Warum spielt Heilen so eine wichtige Rolle in deinem Leben? Was begeistert
dich so daran?
Rückblickend
kann ich sagen, dass ich schon als Kind versucht habe Dinge,
die falsch waren, richtig zu stellen, dass ich Schmerzen lindern, selbst einer
Pflanze in Not wieder zu ihrem Wohlbefinden verhelfen wollte. Ich suchte in
mir Möglichkeiten zu finden, anderen Menschen und Dingen Wohlbefinden
zu vermitteln, ein bestmögliches Umfeld zum Wachsen und Gedeihen herzustellen.
Und immer hatte ich das Gefühl, dass noch mehr, etwas anderes möglich
sein müsste als das, was ich bisher gelernt hatte. Ich wollte, dass mein
Leben nützlich sei, von einer besonderen Bedeutung, und daher konnte ich
nicht blindlings akzeptieren, was andere mir als Lebensmöglichkeiten vermitteln
wollten. Heute widme ich mein Leben ganz dem Heilen und seinen Möglichkeiten,
und mein Verstehen und meine Erfahrungen entwickelnn sich und wachsen.
Mich begeistert die Fähigkeit des Menschen, überhaupt heilen zu
können, und dass es Kräfte in der Natur und der Schöpfung gibt,
die eine so ungeheure regenerative und heilende Wirkung haben. Das an sich
ist wunderbar, ein Geschenk. Ich liebe es, dass meine Hände und Sinne
erfühlen können, was nicht im Lot ist, und dass ich mit meiner Arbeit
ausgleichend wirken kann. Ich liebe es, in der Lage zu sein, Menschen zu helfen,
ihre eigene innere Stärke wiederzugewinnen und für sich zu nutzen.
Menschen, die krank sind oder aus dem Gleichgewicht geworfen wurden, haben
oft nicht genügend Energie, um von sich aus an ihre innewohnenden Kräfte
heranzukommen.
Erzähle uns noch etwas mehr über die Entstehung von Krankheiten
und mögliche Heilprozesse!
Krankheit entsteht durch eine spezifische Kombination von Ursachen, wenn die
natürlichen Rhythmen des Menschen und seines Organismus durcheinander
geraten. Diese Ursachen können vielfältig sein: unsere Umwelt, Erbfaktoren,
wie man denkt, was man isst und trinkt, wie man seine Emotionen gebraucht oder
missbraucht, warum man tut, was man tut. Auch Glücksgefühle oder
Unglücklichsein spielen eine große Rolle.
Heilung brauchen nicht nur die offensichtlich Erkrankten. Heilkraft ist ein
Automatismus, der überall in die Natur eingebaut ist und oft auch ohne
unser Zutun funktioniert. Der Heiler hilft nur, begleitet nur. Dadurch dass
er viele Menschen aus Krankheiten herausbegleitet, versteht er die Selbstheilungskräfte
besser und kann darum Hilfestellung geben, die dem Hilfesuchenden bewusster
macht, was nun zu tun ist.
Und kannst du die Selbstheilungsprozesse noch etwas näher beleuchten?
Ehrlich, ich denke, dass Freude und Glücksgefühle am wichtigsten
sind. Ich sage immer wieder, dass, wenn Menschen glücklich sind, sie heilende
Essenzen von selbst anziehen und damit gute Dinge, Qualitäten und Werte.
Sehr
wichtig ist aber auch die Einstellung zum Leben. Vor allem wichtig ist,
für das, was in einem vorgeht, selbst verantwortlich zu sein, denn dann
kann man auch den Gedanken akzeptieren, dass man für die Folgen, für
das, was einem zustößt, verantwortlich ist und so wird man angeregt,
selbst die Antwort auf seine Probleme zu finden. Ich denke, dass jeder Mensch
für sich selbst und andere zur Medizin werden kann, durch ein besseres
Verstehen, durch verbesserte Wahrnehmung, durch einen verantwortungsvollen
Umgang mit den Emotionen. Menschen sollten sich aus der „Opferpsychologie“ befreien,
denn wenn alles andere verantwortlich ist, nur nicht man selbst, dann hat man
tatsächlich keine Verantwortung für sein eigenes Leben. Was soll
der eigene Körper dann denken? Da ist dann niemand, der der Herr im Körper
ist, alles bleibt unklar und verschwommen, und das kann Krankheit auslösen.
Menschen, die die Verantwortung für ihr Leben übernehmen, leben aus
meiner Erfahrung gesünder.
Der Begriff „Heilung“ ist von dir weiter gefasst als üblich. Kannst
du diese umfassendere Bedeutung noch einmal erläutern?
Vieles hat einen heilsamen Einfluss auf Vieles: Bildung heilt Unbelesenheit,
Freundschaft heilt den Einsamen, Nahrung heilt die Hungernden, Mut ist heilsam
bei Gefahr, Aufklärung hilft bei Unwissenheit. Heilen ist wie der Wind,
eine unsichtbare Kraft oder Macht, wir sehen sie nicht, können aber ihre
Wirkung fühlen und erkennen, ihr Vorüberstreichen und ihre Nähe.
Ich denke, dass in unserer Welt „Wunderheilungen” an der Tagesordnung
sind, doch meist sieht oder glaubt oder erkennt man sie nicht. Was könnte
heilsamer als die aufgehende Sonne sein, die Licht und Wärme spendet und
ohne die kein Leben existieren könnte? Was könnte heilsamer als die
Luft sein, die wir ständig atmen, oder als das Wasser, das wir täglich
trinken und ohne das wir nicht leben könnten? Was könnte heilsamer
sein als unserer Empfindungen und Eindrücke, ohne die wir nicht leben
könnten?
Das alles sind für mich, auch wenn es vielleicht unorthodox klingt, „Wunderheilungen”.
Und ich denke auch, dass nichts heilsamer ist als Antworten auf die Frage zu
finden, warum das alles existiert, warum uns solch großartige Dinge täglich
begegnen.
Vielen Dank für das Interview.
von Josina Keuskamp - van Schaik
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