Von Kerlen, Männern, Ehrenmännern...
Auf der Suche nach ein em neuen Selbstverständnis
Ausgehend von der Gleichwertigkeit der Geschlechter sowie in Anerkennung
unterschiedlicher Stärken und Qualitäten wirft Roland Böhringer
ein en Blick in die Zukunft dessen, was einen Mann ausmacht.
Das
weibliche Geschlecht hat in den letzten 30 Jahren verstärkt eine Welt betreten
und zunehmend eingenommen, die bislang zum guten Teil den Männern vorbehalten
war. In vielen Berufen stehen Frauen ihre Frau, ebenso gut oder in manchen Bereichen
vielleicht sogar noch besser als Männer, z.B. wo es auf Teamfähigkeit
ankommt.
Das hat viele Männer ebenso beeindruckt wie verunsichert. Beeindruckt
haben weibliche Stärken wie Ausdauer und Zähigkeit, kommunikative
Finesse, Diplomatie, Intelligenz und gesunder Menschenverstand. Nicht zu vergessen
natürlich weiblicher Charme und der weibliche Instinkt, der oft den Nagel
auf den Kopf trifft.
Wie aber ist es um die Männerwelt bestellt? Sind die Männer nicht
auch gefordert, ihre Stärken unter die Lupe zu nehmen und weiterzuentwickeln
und darüber nachzudenken, was denn Mannsein im neuen Jahrhundert vielleicht
ausmacht? "Neue Männer braucht das Land" - nicht erst seit diesem
Ruf der 80er-Jahre rumort es kräftig in der Männerseele, vielleicht
weil wir spüren, dass es nicht nur für Frauen, sondern auch für
Männer wichtig ist, ihr Selbstbild zu überarbeiten. Denn wollen wir
die Herausforderungen der Zukunft meistern, brauchen wir das Beste von beiden
Geschlechtern, soviel scheint sicher zu sein. Ein Kampf der Geschlechter gegeneinander
wäre sinnlose Energieverschwendung
Der Mann heute - zwei Filme
Die
innere Verunsicherung des Mannes – und neue Entwicklungen brauchen Reibung
zur Reifung – spiegelt sich im Film. Etwa wenn in "Was Frauen denken"
Helen Hunt den Job als Artdirektor Mel Gibson vor der Nase wegschnappt. Er rächt
sich dafür, kann aber dann sein eigenes niederträchtiges Handeln nicht
mehr aushalten, gesteht alles, um dann dahinzuschmelzen und in Helen Hunt seinen
persönlichen Retter und Helden zu finden.
Der
Film "My big fat Greek wedding" gibt Einblicke in Entscheidungsfindungsprozesse
zwischen einem griechischen Restaurantbesitzer und seiner energischen Frau.
Sie möchte, dass ihre Tochter in einem Reisebüro arbeiten darf, und
inszeniert einen Umstand, so dass ihr Mann plötzlich genau mit dieser Idee
kommt, seine Tochter könne ja die Stelle im Reisebüro übernehmen.
Er erntet Beifall und er ist glücklich, dass er sein Problem gelöst
hat, und sie ist glücklich, weil sie das genauso geplant hat.
Spiegeln diese zwei witzigen Filme nicht einen Teil der heutigen Realität
wider?
Woran kann sich ein Mann in seinem Selbstverständnis orientieren?
Wann ist ein Mann ein Mann? In unserem Kulturkreis sagen manche, ein Mann müsse
ein Kind zeugen, einen Baum pflanzen und ein Buch schreiben. Das erste spricht
von seiner körperlichen Fähigkeit, einen Nachkommen zu zeugen, das
zweite von Schutz und Sorgsamkeit im Umgang mit dem Leben und der Natur und
das dritte von der Fähigkeit, Wissen und Weisheit zu erwerben, die es wert
sind, weitergegeben zu werden. Ganz allgemein weist es auf drei Naturen des
Wesens "Mann" hin, ähnlich der Dreiteilung in Körper, Seele
und Geist.
In der Differenzierung der Sprache eines Volkes drückt sich auch immer
dessen Weisheit und Bewusstsein aus. Gibt es noch andere Indizien in unserer
Sprache für eine Dreiteilung?
 Wir
hören uns manchmal über jemanden sagen: das ist "ein echter Kerl"
oder das ist "ein gestandener Mann". Oder manchmal auch, das ist "ein
echt feiner Mann". Der englische Kulturkreis mit seinem vielleicht etwas
ausgeprägteren Formbewusstsein hat neben den Begriffen "male"
(männlich) und "man" (Mann) auch den "gentleman" hervorgebracht.
Früher gab es bei uns den "Edelmann", den "werten Herrn",
den "Mann von Ehre".
Was kommt uns in den Sinn, wenn wir diese Begriffe hören? "Alle guten
Dinge sind drei", heißt es im Volksmund. Wir versuchen im folgenden
einmal der Natur des Mannes drei Aussagen zuzuordnen. Vielleicht wollen Sie
sich ja einige Minuten nehmen, und selbst überlegen, was Ihnen dazu einfällt.
Meine Liste ist eine kleine, aber unvollständige Startvorlage.
Jemand ist männlich, ein echter Kerl |
Jemand ist ein gestandener Mann |
Jemand ist ein feiner Mann, ein Ehrenmann |
- Körperkraft, Vitalität, robust, prompt, warmherzig, unkompliziert,
gesunde Neugier, Tatendrang, läßt sich nicht gerne etwas
vorschreiben, braucht seinen Freiraum, man kann Pferde mit ihm stehlen,
draufgängerisch.
|
- Breitgefächertes Allgemeinwissen, trägt Verantwortung, findet
Lösungen, gutes Durchhaltevermögen, geduldig, diszipliniert,
höflich, respektvoll, schützend, guter Teamworker, kennt seine
Stärken und Schwächen, kann über sich selbst lachen und
Fehler eingestehen, hat Mut und Courage.
|
- Er entwickelt Prinzipien, ist im umfassendsten Sinne gebildet, hat
Verständnis für andere, steht zu seinem Wort, er hat gepflegte
Umgangsformen, vertritt seine Ansicht, auch wenn sie unbequem ist, hat
einen Sinn für Gerechtigkeit und Förderung, er hält unbeirrt
an den ihm wichtigen Dingen im Leben fest, kann Ratschläge geben,
aus denen die Weisheit seiner Lebenserfahrung spricht. Er ist gleichzeitig
auch ein "echter Kerl" und ein "gestandener Mann".
|
Mögliche Entwicklungsaussichten für diese drei Spieler im Manne:
Während sich diese Eigenschaften - mit individuellen Varianten selbstverständlich
- in den meisten Männern natürlicherweise beobachten lassen, könnte
das Entwicklungsthema für den Kerl im Manne Selbstbeherrschung sein, für
den Mann die Selbstverwirklichung, und für den Ehrenmann die Frage, wofür
er sich im Leben einsetzen möchte.
Natürlich durchdringen sich diese Naturen im täglichen Leben, aber
man kann das Konzept der Dreiteilung [Note
1] als Orientierung nutzen, um zu sehen, wohin der Trend im eigenen
Leben geht und ob man damit zufrieden ist. Die Liste ist sicherlich nicht vollständig
und lädt zur weiteren Beschäftigung ein.
These für das Entwicklungspotential von Männern - und Frauen
Solange
nicht Menschlichkeit und seelisch-geistige Weiterentwicklung ein gemeinsames
Anliegen beider Geschlechter wird, kann sich weder das männliche noch das
weibliche Potential voll verwirklichen. Denn man handelt ansonsten aus einer
unterschiedlichen Werteplattform.
Dieses verbindende Anliegen könnte sich in Respekt, gegenseitiger Unterstützung
und gelebter Menschlichkeit ausdrücken. Praktische Beispiele: z.B. den
anderen nicht ändern zu wollen; Stärken, Qualitäten und Fortschritte
nicht für selbstverständlich zu nehmen, denn eine verdiente Anerkennung
ist wichtig als Feedback; sich hin und wieder überlegen, wie man den anderen
zur Zeit am besten unterstützen kann.
Denn was könnte dann zwischen den Geschlechtern stehen, das nicht zu lösen
wäre? Dieser Aspekt des Verbindenden wird in der Geschlechterdebatte oft
wenig betont, und er könnte zu einer Aufweichung eventueller Fronten und
damit zu einer besseren Verständigung führen, da man sich einer gemeinsamen
Herausforderung stellt, deren Umsetzung Mann und Frau dann in ihrer jeweils
besten Art und Weise angehen.
Dies ist, ich weiß, leichter gesagt als getan. Dennoch. Wenn es gelingt,
sich durch den gesunden Menschenverstand auf ein gemeinsames Ziel zu verständigen,
das auf ein übergeordnetes Anliegen (z.B. Engagement für Familie oder
Gesellschaft) fokussiert ist, dann kann man immer darauf zurückkommen,
wenn es schwierig wird. Respekt, Unterstützung, Menschlichkeit werden uns
ein gutes Stück weiterbringen. Ansonsten treffen wir immer wieder auf prähistorische
Verhaltensmuster – in uns, im anderen, sei es genetischer, kultureller,
moralischer oder sonstiger Art.
Es gibt sicher noch viel über die Zukunft und Entwicklung der Geschlechter
zu entdecken, dies als kleiner Beitrag zur Debatte!
Note 1: inspiriert durch Workshops
mit Mary Noble, und das Buch: "A Feminenza Trace
of Essences and Elements", ISBN 0 952 1674 68.
top | TOPAZ Home | Template Netzwerk |