Erfolg! Endresultat oder „Way of Life“?
Der Begriff „Erfolg” kreuzt heutzutage oft unseren Weg.
Wir denken: „Das ist ein Erfolgstyp.” Oder: „Ich möchte
erfolgreich sein.” Der Wunsch nach Erfolg ist bei vielem, was wir tun,
die treibende Kraft und scheint oft mit bestimmten Wertmaßstäben
oder Vorstellungen einherzugehen.
Erfolg scheint bei uns einen äußerst wichtigen Stellenwert einzunehmen,
doch was ist Erfolg eigentlich? Was fällt in die Kategorie “erfolgreich”
oder “weniger erfolgreich”? Woran messen wir Erfolg? Wie beeinflusst
unsere Wahrnehmung von Erfolg unser Selbstbild? In welche Richtung treibt uns
unser Wunsch nach Erfolg? Was erwarten wir von Erfolg? Ist er ein Endresultat,
etwas, das man aufheben oder festhalten kann oder besteht Erfolg aus miteinander
verbundenen Handlungen?
Hat Erfolg mit Fertigkeiten, einer Karriere, Geld auf dem Konto, Berühmtheit
oder angesehener Position zu tun oder eher mit Glücklichsein und sich wohlfühlen?
Selbstwertgefühl
ist oft damit verbunden, für wie erfolgreich man sich hält, und meist
orientiert man seinen Erfolgspegel an der Meinung anderer. Denn der Vergleich
mit anderen ist häufig das System, mit dem wir unsere Bemühungen bewerten.
Erfolgreich in der Schule ist das Kind mit den besten Noten, den richtigen Antworten,
der schnellste Läufer, der höchste Springer oder derjenige, der die
meisten Tore schießt. Später ist es der Reichste, die Berühmtheit,
derjenige der den besten Posten besetzt oder der beste Forscher. In jedem Bereich
menschlicher Leistung gibt es so ein Erfolgsmaß, das einen an anderen
Personen misst und mit ihnen vergleicht. Und immer herrscht Konkurrenzkampf
um die Trophäe des Erfolgreichsten.
Diese Vorstellung von Erfolg kostet, kostet eine Menge, denn dabei gibt es
am Ende immer zu viele nicht-erfolgreiche Leute, weit mehr als erfolgreiche.
Und wenn diese Art von Erfolg ausschlaggebend dafür ist, wie gut wir uns
fühlen und was wir von uns denken, dann ist das teuer erkauft, denn die
meisten von uns landen fast überall und immer im Mittelfeld, wenn sie sich
einmal an den Spitzenleistungen der Menschheit messen. Was bedeuten könnte,
dass sich niemand jemals wirklich wohl fühlt. Gibt es eine andere Art,
das Thema Erfolg zu betrachten? Webster‘s New Universal Unabridged Dictionary
definiert Erfolg als „das vorteilhafte oder glückliche Zu-Ende-Bringen
von Versuchtem oder von Bemühungen.”
Hier lässt sich gut ansetzen. Der Erfolg wird hier nicht als ein fixierbares,
messbares Endresultat definiert, sondern als eine Begleiterscheinung, wenn eine
Absicht, ein Streben verwirklicht wird. Wie froh und voller Befriedigung können
wir doch sein, wenn wir einen Plan ausgeführt haben, eine Arbeit beendet
haben, eine Aufgabe erfüllen konnten, ein gutes Gespräch oder zukunftsgerichteten
Austausch mit jemandem haben konnten, genau so, wie wir es erhofften oder wünschten.
Wenn wir etwas vom täglichen Arbeitspensum abhaken können, etwas Angepeiltes
erreichen oder etwas sauber erledigen können, ordentlich und genau richtig.
Wir kennen das Gefühl, wir fühlen uns dann oft sehr gut und befriedigt,
wenn auch manchmal nur für einen kurzen Moment.
Maximen
- Erfolg ist Verwirklichung einer Absicht.
- Erfolg ist nicht Ergebnis einer Handlung, sondern ein Beginn.
- Erfolg ruft Erfolg herbei.
- Erfolg heißt, den Dingen anzugehören, für die man
sich entschieden hat.
- Erfolg liegt in der Fähigkeit, sich verändern zu können
und neuen Anforderungen zu entsprechen, im Wissen, dass die Erfolge
heute das Sprungbrett zu einem neuen Morgen sind..
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Dieser Ansatz zielt weder auf ein starres Endergebnis ab noch vergleicht er
Erfolge des einen mit denen eines anderen. Dieser Ansatz ermöglicht vielmehr
erfolgreichen Ausgang jeglicher Aktion oder Bemühung einer Person. Er erlaubt
auch, dass der Erfolg der einen Person sich von dem einer anderen völlig
unterscheiden kann. Da jede Person einzigartig ist, sie ihre eigene Geschichte,
inneren Stärken, Schwächen und Fähigkeiten hat, ist es eben sinnlos,
Erfolg für alle gleich zu definieren. Wenn man die persönliche Entwicklungsreise
eines Menschen betrachtet, erkennt man, dass die ersten erfolgreichen Schritte
im Alter von 1 oder 2 Jahren etwas sehr anderes sind als die Erfolge mit 10,
25, 40 oder 60 Jahren, Erfolg ist nicht gleich Erfolg. Erfolg ändert sich
im Lauf der Jahre; mit jeder Situation, in der man sich befindet, und wenn man
älter wird, durch Sammeln von Erfahrungen, Entwickeln von Weisheiten, von
verschiedenen physischen und mentalen Stärken. Das Erfolgsgefühl scheint
sich dann einzustellen, wenn wir alles gegeben haben, was uns hier und jetzt
möglich ist, und das Werk dann gelingt.
Wenn all diese Anstrengungen und Augenblicke und die vielen tausend Aufgaben
erfolgreich erledigt sind, gibt der Zustand der Befriedigung und des Wohlbefindens
mächtigen Auftrieb. Die eigenen Handlungen sind bestätigt und gutgeheißen,
Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen gestärkt. Das Gefühl, aktiv
gestalten zu können, setzt sich durch.
Fast überall, im Kleinen wie im Großen, kann jeder das erfahren,
ein Kind, ein Lehrer, eine Krankenschwester, ein Arzt, eine Hausfrau, beim Vollenden
einer simplen Arbeit oder eines großen Projekts und Unternehmens. Der
Erfolg einer Person besteht darin, dass sie ausführt, was sie beschlossen
und mit der Fülle ihrer augenblicklichen Möglichkeiten angepackt hat.
Und da Gleich und Gleich sich gern gesellt, schafft Erfolg die Voraussetzung
für mehr Erfolg. Wenn jemand Erfolg erfahren hat, geht er die nächsten
Dinge mit größerer Zuversicht, Selbstachtung und größerem
Vertrauen auf seine Fähigkeiten an, was wiederum das Beste in ihm wachruft,
und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Hier taucht eine entscheidende
Frage auf: Wie spiegelt sich das in unserem Denken, wenn wir eine Aufgabe erfolgreich
abgeschlossen haben?
Denn möglicherweise wartet sofort die nächste Aufgabe auf der Liste
oder das nächste Projekt oder das nächste Was-auch-immer, und schnell
schwindet der freudvolle und befriedigende Augenblick in der Hetze unseres Lebens.
Was bleibt der Person, die soeben einen Erfolg hatte? Wie denkt sie darüber?
Hat ihre Selbstachtung dadurch eine Aufwertung erfahren? Rechnet sie sich den
Erfolg an?
Wenn das Hochgefühl geschwunden ist, wird es dann als unwichtig erachtet,
als nicht bedeutsam genug, um einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden?
Wird es vergessen? Werten wir so den Erfolg ab? Oder geschieht das Gegenteil,
dass der Erfolg aufgebläht wird als Höhepunkt des Tages und zu jedermann
herausposaunt werden muss? Beide Reaktionen wären Ausdruck unserer allzu
bekannten Minderwertigkeits- oder Überlegenheitsgefühle, die bei fast
jedermann gleichzeitig vorhanden sind, wobei eine Gefühlsrichtung stärker
sein kann.
Welche Haltung gegenüber dem Erfolg kann man nun ohne ihn abzuwerten oder
überproportional aufzublähen einnehmen? Eine Methode ist es, bevorzugt
die kleinen, tagtäglichen Verbesserungen und Erfolge im Fluss des Lebens
wahrzunehmen, anstatt nur die sehr großen, herausragenden Erfolge zu zählen.
Denn: Viele kleine Erfolge werden das Grundgefühl erzeugen, ein erfolgreiches
Leben zu führen. Erfolg kann so ein besseres Leben und größere
Langzeiterfolge bewirken. Er baut in uns Vertrauen und Mut, Neues zu probieren
und sich nicht an unseren Irrtümern zu stoßen, die dazu da sind,
dass wir von ihnen lernen. Erfolg kann uns so ermutigen, uns weiter in die Richtung
zu entwickeln, für die wir uns in unserem Leben entschieden haben, die
wir wertschätzen und hochhalten. Wenn unsere Erfolge das nicht bewirken,
wäre es interessant zu betrachten, welche Gedanken daran hindern oder bremsen.
Hier ist eine einfache Übung, wie man seine Selbstachtung stärken
kann, indem man seine Erfolge schätzen lernt:
Gehen Sie vorm Zubettgehen im Geiste die Dinge durch, die im Laufe des Tages
passiert sind und die Sie getan haben. Achten Sie dabei auf Ihre Erfolge (auch
die kleinen, die sonst leicht als Selbstverständlichkeiten durchgehen)
und machen Sie sich diese Dinge bewusst, schreiben Sie sie nieder und lassen
Sie sich so durch sie bestätigen.
Vielleicht sieht dies zunächst aus wie ein Sandkörnchen am Strand,
aber wenn man in dieser Weise über seine Erfolge zu denken beginnt, kann
sich das Selbstbild positiv verändern. Höhere Selbstachtung, größeres
Selbstvertrauen, gestärkte Überzeugung bewirken, dass das Leben in
die eigenen Hände genommen wird. Außerdem ermöglicht diese Denkweise,
anders auf andere zuzugehen. Wertschätzung, Respekt und Akzeptanz, die
man der eigenen Person gegenüber aufbringen kann, erlauben mehr Wertschätzung,
Respekt und Akzeptanz anderen Menschen gegenüber.
Dieser Artikel wurde gemeinsam verfasst von: Anne Böhringer (D), Iet
Veenland (NL), Yvonne B. Christensen (DK)
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