TOPAZ 4. Ausgabe 2002
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Philosophisches Essay und Öffentlichkeitsarbeit
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Umgang mit Kindern

“Im Umgang mit Kindern ist es für uns Erwachsene sicher sehr hilfreich und förderlich eine Ahnung davon zu bekommen, wie Kinder die Welt erleben.”

Thea Kreeft (40) und Jeroen Brons (37) widmen sich seit vier Jahren mit besonderem Engagement dieser Aufgabe. Beide haben selbst Kinder und sind sehr interessiert, klassische und alternative Erziehungsmodelle zu erproben. Sie sind Mitbegründer von „Matrijs“ (matrijs ist das holländische Wort für Matrix), einem holländischen Verein, der Aktivitäten für Kinder im Vorschulalter anbietet.

Thea und Jeroen arbeiten gemeinsam mit anderen Eltern im Verein „Matrijs“, um die altersspezifischen Entwicklungsphasen eines Kindes besser verstehen zu lernen.

In einem Interview mit TOPAZ sprachen Thea und Jeroen über ihre jetzige Arbeit und Zukunftsvorstellungen.

TOPAZ: Warum ist es für Sie wichtig, altersspezifische Entwicklungsphasen verstehen zu lernen?

Thea Kreeft Thea: Wenn es dem Erwachsenen gelingt die natürlichen Entwicklungsphasen des Kindes und die daraus resultierenden Bedürfnisse zu sehen und zu begreifen, ist das für Kinder die bestmögliche Voraussetzung zu lernen und sich zu entwickeln. So können sich Qualitäten wie zum Beispiel Selbstbewusstsein, Sicherheit, Entdeckungs- und Handlungsfreude und soziale Kompetenz entwickeln.

Werden diese Qualitäten bei den Kindern gefördert, dann werden sie eher befähigt sein aus dem heutigen Informationsüberfluss auszublenden, was für sie unwichtig und unbedeutend ist, und wirklich Wichtiges aufzunehmen.

Erst durch die Einbettung des Wissens in die Persönlichkeit des Kindes erhält das Wissen seinen Wert. Wissen ohne Bezug stellt keinen Wert dar; ähnlich dem Unterschied zwischen „zu Hause sein“ und „im Haus sein“.

Für uns stellen sich folgende Fragen:

  • Hat das Kind auf seinem Weg Fortschritte gemacht?
  • Hat das Kind Neues gewagt?
  • War es mit Freude bei der Sache?
  • Können die Ergebnisse helfen mehr über seine Möglichkeiten herauszufinden?

Im Umgang mit den Kindern ist uns noch einmal besonders deutlich geworden, dass Lernen nicht nur über den Kopf, sondern erst über die Verwirklichung der vielfältigen Anlagen möglich wird.

TOPAZ: Können Sie uns mehr über ihre Erfahrungen berichten, wie Sie den Kindern helfen Qualitäten zu entwickeln?

Thea: Selbstvertrauen und Selbstachtung können sich in den Kindern entwickeln, wenn man ihnen mit Respekt und Ermutigung bei ihren Versuchen zur Seite steht. Es ist wichtig, in dem was ein Kind tut das Besondere und Einzigartige hervorzuheben.
Wenn ein Kind dir beispielsweise eine Zeichnung zeigt, wäre es möglich zu sagen: „O, das ist schön.“ Aber es ermutigt das Kind wesentlich mehr, wenn du dir sofort Zeit nimmst, die Zeichnung anschaust und mit dem Kind darüber sprichst. Dadurch wird das Kind angeregt weiterhin zeichnerisch zu entdecken. So bleibt es offen für diesen Bereich. Das eben Genannte lässt sich auf alle Handlungs- und Erfahrungsfelder des Kindes übertragen. So ist es also an uns Erwachsenen diese Offenheit der Kinder, die von Natur aus vorhanden ist, durch unser Verständnis für das kindliche Handeln zu erhalten.

Dies ist ein Grundprinzip der Matrijs-Philosophie. Für Eltern und Lehrer, die sich in diesen Verhaltensweisen üben möchten, bietet Matrijs Workshops an. Sie haben einen mehr informellen Charakter mit genügend Zeit für Gesprächsrunden und Austausch.

TOPAZ: „Woher beziehen Sie Ihre erzieherischen Ansätze? Hat „Matrijs“ das alles selbst erarbeitet?

Jeroen: Jeroen: „Matrijs“ hat ein Vorbild, die „Golden Education Template“ in Ma’ale Tzvia, Israel, wo 1997 eine Gruppe von Eltern und Lehrern begonnen hat ihre Vorstellungen von Kindererziehung in die Realität umzusetzen, indem sie eine Kindertagesstätte und eine Grundschule nach erfrischend neuen Konzepten aufgebaut hat. Dieses neue Erziehungsmodell läuft seit nunmehr fünf Jahren; es ist sehr erfolgreich, die Resultate sind ermutigend.

Die Kinder sind motiviert, haben Freude am Lernen und empfinden ihre Schule als etwas Wertvolles, ja als einen besonderen Platz, an dem sie sich gerne aufhalten. Wir versuchen hier in Holland eine Grundschule zu eröffnen, die sich an den Prinzipien der Golden Education Template orientiert.

TOPAZ: Wie können sich Eltern in den Entwicklungsprozess von Kindern einbringen?

Jeroen: Die beste Voraussetzung Kinder gut führen und leiten zu können, ist die Arbeit an sich selbst. Folgende Fragen könnte man sich stellen:

  • Wie frei bin ich, mich von alten Vorurteilen, Zwängen und Ängsten zu lösen?
  • Wie kann ich mein Selbstvertrauen stärken?
  • Kann ich festgefahrene Einstellungen ändern?
  • Kann ich meine Proble me, die ich lange mit mir herumgetragen habe, hinter mir lassen?

Thea: Vieles von dem, was in unseren Kindern heranwächst, ist Reflexion ihrer gesamten Umgebung. Eine prägende Rolle dabei spielen die Eltern, Verwandte, Nachbarn, Freunde, Lehrer und Erzieher.

In unserer stets komplexer werdenden Welt wird es immer wichtiger, als Erwachsener zu wissen, wie Kinder die Welt erleben.

Jeroen: Ich glaube, dass jeder Mensch mit vielen Möglichkeiten und einer Reihe von Talenten geboren wird. Es gilt, diese zu erkennen und zu fördern und so die Grundlage für freie Entscheidungen zu schaffen. Durch unsere Arbeit in der Matrijs wollen wir auch unsere eigene Überzeugung stärken und zum Ausdruck bringen, dass wir etwas zu einem positiven Wandel in der Welt beitragen können.

Die Begründer des Vereins „Matrijs“ sind auch Mitglieder der „Template Stichting Holland“. Im Laufe dieses Jahres plant „Matrijs“ eine erste Kindertagesstätte zu eröffnen. Wenn Sie Kontakt mit „Matrijs“ aufnehmen möchten: www.stichtingmatrijs.nl.

Das Gespräch führte Lotten Kärre

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