Farbe und Musik

Nick Woodeson

Die Beziehungen zwischen Farbe und Musik haben immer wieder philosophische Überlegungen und wissenschaftliche Forschungen angeregt. Sie haben unsere Sprache und Denken auf eigenartige Weise geformt. Die Tatsache, dass wir üblicherweise von 7 Regenbogenfarben reden, lässt sich auf das 17. Jahrhundert zurückführen, auf Sir Isaac Newtons Entdeckung der Aufspaltung weißen Lichts in Farben durch ein Prisma, er entschied sich, in Anlehnung an die sieben Töne der Tonleiter sieben Farben zu benennen. Er schrieb der Royal Society 1675: „Und möglicherweise kann Farbe in ihren Hauptabstufungen rot, orange, gelb, grün, blau, indigo und tiefviolett unterschieden werden auf derselben Grundlage, auf der wir in der Musik innerhalb einer Oktave Töne unterscheiden.“

Wie die alten Griechen strebte Newton sein ganzes Leben danach, eine integrierte Kosmologie zu entdecken, er glaubte, dass die Aufspaltung des Lichtstrahls mit den sieben Tönen der Tonleiter korrelieren sollte, weil die Sieben ein Schlüsselprinzip in Alchemie, Religionsphilosophie und antiker Kosmologie war. Sein berühmtes Farbrad zeigt eine Primärteilung von sieben Farben entsprechend der altgriechischen dorischen Tonleiter, die auch in der Kirchenmusik seiner Zeit vorherrschte.

Nicht nur die Mathematiker suchten im Laufe der Geschichte nach Beziehungen zwischen Farbe und Musik. Für die Griechen, Newton, Kepler und viele andere war es eine religiöse Suche nach Sinn und Bedeutung, nach der Verbindung zwischen den sichtbaren und hörbaren Welten von Licht und Klang und den ungesehenen, ungehörten Welten höherer Ursachen und Einflüsse. Wie die alchemistische Suche nach dem Stein der Weisen war es eine Suche nach Harmonie nicht nur des Verstands, sondern auch des Seins.

Auch ist es merkwürdig, dass Musik und Farbe sprachlich ineinander spielen. Wir sprechen von Ton in Bezug auf Licht und Klang, und in der Musik gibt es eine Tonleiter von sieben Tönen, aber auch eine chromatische (griechisch: chroma = Farbe) Zwölftonskala.

Verbindungen zwischen Musik und Farbe tauchen im Laufe der Geschichte immer wieder auf. Es gibt einige Hinweise, dass Musiker des Alten Ägypten als eine Art Partitur eine Farbensequenz benutzten; entsprechend äußert sich Claude Debussy Ende des 19. Jahrhunderts: „Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass Musik von Natur aus nichts ist, was in traditionelle und starre Form gegossen werden kann. Sie besteht aus Farben und Rhythmen.“

Neben der theoretischen Erörterung wird immer wieder versucht, die praktischen Auswirkungen von Farbe und Klang zu erfassen. Platon zum Beispiel schrieb in seinem „Staat“ den sieben Tonarten der alten griechischen Musik spezifische Wirkungen und Bedeutungen zu, so gab er die Tonarten an, die gut für Erziehung, Ordnung und Wohlbefinden seien. Unsere heutige Auffassung des Stimmungsgehalts von Dur und Moll zeugt noch von diesem griechischen Erbe.
Die Wirkung der Farben wird nicht nur in der Farbtherapie, einer modernen alternativmedizinischen Therapieform, eingesetzt. Schon im 19. Jahrhundert entstand die Chromotherapie, weil man die physiologische Wirkung der Farben beobachtet hatte. Im Ersten Weltkrieg gab es dann in einigen Londoner Krankenhäusern Farbbehandlungsstationen für Kriegsneurotiker und Nervenkranke. Farbhersteller vermarkteten zur gleichen Zeit Anstreichfarben für therapeutische Zwecke. Blau wurde als ruhig und kühlend angesehen, Rot als stimulierend.

Auch in jüngerer Zeit wurde die wohltuende Wirkung des Zusammenspiels von Farbe und Musik beschworen. 1970 äußerte sich Jimi Hendrix: „Ich stelle mir eine Zeit vor, wo man diesen kleinen Raum hat, die totale audiovisuelle Umgebung. Du kannst da reingehen, dich zurücklegen und das ganze Ding erblüht in Farben und Musik. Ein Raum der Besinnung. Du kannst einfach reingehen und lässt die Nerven ausklingeln. Es wäre wunderbar, wenn du derart perfekte Musik produzieren könntest, dass sie dich wie Strahlen durchdringt und letztendlich heilt.“

Die Suche nach der Bedeutung der Farbe und ihrer Anwendung fürs Wohlbefinden dauert an. Man erkennt immer mehr die Grenzen der Wissenschaft, wenn es darum geht, den Menschen umfassend zu erklären. Vielleicht werden deshalb Selbsterfahrung und Einzelberichte glaubwürdiger, wenn es um spezifische Wirkungen der Farben geht. Kompromisslose wissenschaftliche Denkweisen können einen meinen lassen, dass Farbe und Klang zufällige Frequenzen im elektromagnetischen Spektrum sind, aber unsere menschliche Erfahrung lehrt uns etwas anderes. Wir alle wissen, dass Musik und Farbe uns beeinflussen. Wir suchen uns Farbe und Musik aus, um Stimmung und Gefühle einzuladen oder zu bestärken. Wir finden Farbe oder Musik erregend, lebenssprühend, bedrückend, erhebend – es gibt so viele Beschreibungsmöglichkeiten wie Wörter für Gefühle im Wörterbuch. In vielen Fällen führen unsere Erfahrungen von Farbe und Musik zu Gefühlszuständen und Verbindungen, die von der Sprache, wie sie z.B. die Wissenschaft benutzt, nicht erfasst werden können.

Klang, Rhythmus und Farbe sind wesentliche Bestandteile der Schöpfung und unserer Lebenserfahrung. Sie sind Medium menschlichen Ausdrucks und das Mittel der Schöpfung und Natur, sich uns gegenüber auszudrücken. Es gilt, die Intelligenz in Klang und Farbe entdecken, den Zugang zu gewinnen zu den ungesehenen Energiewelten, die Leben fördern und erhalten. Wir sollten uns dabei mehr auf spirituelle und fühlende Bewusstheit verlassen als auf das leicht objektiv Messbare. Vielleicht werden Musik und Kunst der Zukunft diese Intelligenz anzapfen und uns der direkten Erfahrung und Verbindung zur Intelligenz der Schöpfung, in der wir leben, näher bringen.

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