Identität und Lebensalter

von Josina van Schaik, Niederlande

Auf den folgenden Seiten finden Sie Interviews mit älteren Menschen aus verschiedenen Ländern Europas und aus Israel.

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Karen Hansen (69 Jahre), Dänemark

Meine Identität als engagierte Lehrerin hat tiefe Spuren hinterlassen, vor allem in der Art, wie ich mit Menschen umgehe. Das hat mich geprägt, es ist nicht verloren. Ich habe viele Identitäten: Mutter und Großmutter, Ehefrau, ehrenamtliche Sprachlehrerin für Flüchtlinge, Entdeckerin innerer Schönheit, Heilerin, Moderatorin, Forscherin, Verkünderin, Fotografin, eifrige Leserin, Briefeschreiberin, Übersetzerin, Mitarbeiterin im Template Netzwerk - ich könnte so weitermachen. Ich forme meine Identitäten immer mehr nach der Notwendigkeit, mich selbst zu respektieren und nützlich zu sein. Ich wünsche und habe mich dazu entschieden, das was gut und wertvoll ist zu fördern, Gott zu helfen, nicht fixiert zu werden, sondern mich weiterzuentwickeln und auszuprobieren. Auf meinem Weg ins Alter ist Weitsicht wichtig. Es drängt mich, nach innen zu sehen, ob ich bereit bin für das, was als Nächstes kommt, das, was ich nicht mehr brauche, loszulassen, das, was ich behalten will, zu verfeinern, meine Seele und meinen Geist für das zu öffnen, was sich jetzt mit mir verbinden will, wo es weniger darum geht zu handeln als zu sein. Jedes Alter ist ein Geschenk Gottes, auch das hohe Alter hat eine Aufgabe und sucht Wertschätzung. Es ist wichtig, diese späten Jahre nicht zu verschwenden und das Leben bewusst wertzuschätzen. Für mich ist es ein großer Erfolg, wenn ich mir am Ende meines Lebens sagen kann, dass ich mein Leben in Harmonie mit meinen Werten gelebt habe. Im Augenblick sind Mitgefühl und Geduld die Qualitäten, die ich stärken möchte. Die Stimme in meinem inneren Kern wird immer vernehmlicher, je mehr ich mich meiner natürlichen Identität nähere. Dieser Prozess, dessen bin ich mir sicher, wird weitergehen, bis zum Tag, an dem ich sterbe.

Mary Nordkvelle (60 Jahre), England

Geboren bin ich in Schottland. Meine Eltern haben mich mit all den guten Qualitäten versorgt, die für den Menschen wichtig sind, wie Ehre, Geduld und Fürsorge, und das hat mir in meinem ganzen Leben Halt gegeben. Jetzt in höherem Alter fühle ich eine große Liebe und eine hohe Wertschätzung für mein Leben und meinen Schöpfer. Ich fühle mich wohl und zufrieden in meiner Haut. Ich kenne mich selbst ganz gut, ich weiß, was ich nicht tun werde. Ich habe ein Selbstbewusstsein, das mir in jüngeren Jahren fehlte, als ich mich einsam fühlte, eine einsame Stimme, die aufschrie über den Zustand der Welt, mit einem hellen Ich im Inneren, das sich nicht ausdrücken konnte. Meine Identität jetzt ist ein Auffangnetz für spezielle Essenzen, die sich im Laufe meines Lebens auf Grund meiner Art und Weise und meiner Neigungen gesammelt haben. Ich hatte immer ein tiefes Empfinden, was Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit angeht, und habe deshalb Menschen in Gefängnissen angeschrieben und einige von ihnen besucht. Dieses tiefe Vertrauen, das zwischen uns entstanden ist, hilft mir, für all die kleinen Dinge dankbar zu sein, die wir so oft als selbstverständlich hinnehmen, wie ein Lächeln, einen Spaziergang im Regen, das Sonnenlicht, welches durch die Bäume fällt, Farben und so viel mehr.

Ria Magen (71 Jahre), Rina Rozenberg (74 Jahre), Cecil Miron (72 Jahre), Riky Rutten (61 Jahre), Israel

   

Die heutige Welt möchte die Tatsache des Älterwerdens leugnen. Die herrschenden Gedanken- und Gefühlsmuster verstecken das Altwerden und tun so, als müsse man wie die Jungen agieren. Das erscheint uns nicht ehrenvoll, und es ist ganz einfach nicht ehrlich zu sich selbst; es ist Selbstbetrug und Dummheit. Wir finden, dass es Freude macht, zu seiner Identität zu stehen, besonders im Alter, wo mehr Platz ist und weniger Druck. Wir erkunden, wie man in der richtigen Weise alt wird, indem wir die damit verbundenen Psychologien zu verstehen versuchen, indem wir den Druck unerledigter Sachen abbauen, indem wir uns damit beschäftigen, was Vergebung bedeutet, indem wir Qualitäten studieren, indem wir diese Forschungen und unser Handeln miteinander verbinden, indem wir Beispiele aus unserem eigenen Leben suchen, indem wir andere alte Menschen besuchen und erfahren, was sie brauchen und was sie uns geben können, indem wir über die drei Leben (das Weib – die Frau – die Dame) in uns meditieren und sehen, was ihre Bedeutung im Alter ist, indem wir als unseren freiwilligen Beitrag zum Gemeinschaftsleben Dinge tun, die wir gerne machen.

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